Zum Nachdenken...

„Karate-Do wird erreicht durch jeden Schritt zu seiner Zeit und so ist das Leben. Trainiere einfach jeden Tag und gib dein Bestes und die Wahrheit wird zu dir kommen.“
 
( Masatoshi Nakayama )
 
Es ist wie das Weihnachtsfest – Hektik und ein endloses Laufen und Rotieren um seinen Lieben die vermeintlich tollsten Geschenke zu übergeben und diese damit zu erfreuen... Und so ist es ein Mega Stress,  rennen, kochen, kaufen, einpacken usw. um letztendlich eine schöne, ruhige, erholsame und besinnliche Zeit mit der Familie unter dem Weihnachtsbaum zu verleben. Und was passiert oft...? Große Augen von den Kleinen, erwartungsvolle Aufregung unterm Baum – die Geschenke werden aufgerissen und dann – es ist das Falsche... genau das, wonach man drei Tage gerannt ist... von dem man dachte, besser geht es nicht. Oder ER hat IHR wieder nicht zugehört, als SIE zum bestimmt 10x an diesem Tag erwähnte, welches Geschenk in diesem Jahr das ultimative ist. Dann kommt sie, die Enttäuschung beim Beschenkten und auch beim Schenker. Im besten Fall folgen Tränen bei den Kleinen und Diskussionen bei den Großen. Und diese Prozedur wiederholt sich nahezu jedes Jahr...
 
...und genauso fühle ich mich – jedes Jahr wieder zur Weihnachtsfeier... und nein es geht nicht darum, dass ich meiner Frau nicht zuhörte...
 

Der Stress  zum Jahresende ist bei  jedem ähnlich, im Beruf, im Privaten und in meinem Fall eben auch im Verein - endet das Jahr. Es wiederholt sich immer wieder das Einsammeln des Geldes für die Sichtmarken, letzte Turniere und Lehrgänge, die Teilnahme an der Jahreshauptversammlung des Karateverbandes S/A, das Vorbereiten der Weihnachtsfeier und eben die übliche Vereinsarbeit – Arbeiten, die man nicht sieht, aber die auch erledigt werden möchten. In diesem Jahr kam dazu, das ein neuer Sponsor gesucht und gefunden wurde und somit nochmal kurzfristig die Bestellung und Bedruckung von Vereinskleidung angeboten werden konnte. Aufgrund der Kurzfristigkeit konnten die Sachen am Donnerstag um 19.00 Uhr abgeholt werden. Noch zeitig genug, um die Kinder zur Weihnachtsfeier zu erfreuen. Und somit galt alles dann noch zu sortieren und zu verpacken. Das war dann am Freitag früh um 1.00 Uhr erledigt – so wie auch ich...Auch hatten wir, der Budokan MD, in diesem Jahr das Glück, mit dem Großen Stern des Sportes in Bronze und als Krönung dann auch mit dem zweiten Platz – dem kleinen Silbernen Stern – ausgezeichnet zu werden. Um diese auch finanzielle Spritze zu erhalten, war ebenso eine gewisse Vorarbeit nötig. Aber ich werde und möchte mich nicht beschweren, denn es ist mein ausdrücklicher Wunsch, diese Arbeit für unseren Verein zu leisten. Und dies tue ich gern, auch wenn ich mir das ein oder andere Mal mehr Unterstützung wünschen würde.  Doch komme ich zu meinem eigentlichen Anliegen zurück: Jedes Jahr nach der Weihnachtsfeier fühle ich mich, wie eben dieser Weihnachtsmann, der nicht die richtigen Geschenke gebracht hat und sich im Anschluss mit diversen unnötigen Diskussionen konfrontiert sieht, warum einige Entscheidungen so und nicht anders getroffen wurden. Aber nein, so ganz richtig ist das nicht. Ich werde ja in der Regel nicht bzw. in den seltensten Fällen persönlich konfrontiert. Doch wird mir eine Unzufriedenheit von den kleinen Weihnachtsengeln zugetragen, die zu dieser Zeit nun mal vermehrt überall herum schweben.  Und ehrlich gesagt, so alle Jahre wieder, wirkt das nicht wirklich motivierend... Es geht, wie in jedem Jahr um die Gürtelprüfungen. Im Sommer vor den Ferien, wie auch im Winter zur Weihnachtsfeier bemühe ich mich diejenigen, die sich in der abgelaufenen Zeit durch fleißiges Training hervorgetan haben, durch eine Prüfung zu belohnen. Hier soll der Fleiß, die Aufmerksamkeit und Konzentration der letzten Zeit sein Ergebnis finden. Nicht jedes unserer Kinder ist trotz fleißigem Training in der Lage eine Vollgurtprüfung abzulegen. So haben wir uns vor einiger Zeit überlegt und geeinigt, dass in der Regel alle Kinder zwischendurch eine Halbgurtprüfung ablegen, um die Motivation zu erhalten. Außerdem war und bin ich der Meinung, dass es nicht notwendig ist, Kinder unnötig schnell und ständig Gürtelvollprüfungen zu ermöglichen, wenn neben der Technik, das Verständnis für das Karate nicht gereift ist. Jedoch gibt es Kinder, die aus meiner Sicht so motiviert, talentiert und fleißig sind, dass es ihnen zusteht und nur gerecht ist, sofort z.B. vom gelben zum orangenen Gürtel geprüft zu werden. Außerdem ist und bleibt das Ablegen des halben Gürtels gemäß DKV-Prüfungsordnung eine Kannbestimmung. Doch wer trifft am Ende diese Entscheidung wer, wann zu welcher Zeit in der Lage ist, eine Prüfung – welcher Art auch immer – abzulegen. In diesem Fall kann und möchte ich ohne Bedenken sagen, dass mich meine Erfahrung von über 40 Jahren Karatesport als Einziger in unserem Verein  befähigt, diese – eure – Kinder einzuschätzen und die Entscheidung für eine Prüfung zu treffen. Einzig die Absprachen und Einlassungen meiner Trainer fließen in meine Entscheidungsfindung ein. Es sollte die Aufgabe der Eltern sein, meine Entscheidungen gegenüber den Kindern zu erklären, zu vertreten bzw. mich zu unterstützen und nicht Diskussionen anzuheizen bzw. zu führen, so dass unnötige Unruhen vorprogrammiert sind und so das Verständnis für das Karate – Do bei den Kindern nicht aufgebaut werden kann. Ich habe das Gefühl, das gerade Eltern das Ablegen einer Prüfung fokussieren und in den Vordergrund stellen. Die Arbeit der Trainer als solches in einer Gesamtheit aber nicht mehr gesehen und anerkannt wird. Völlig fehl am Platz sind Aussagen der Eltern gegenüber ihren Kindern, die versprechen, das Gürtelfarben übersprungen werden können. Dies ist gemäß der DKV – Prüfungsordnung zwar möglich, bedarf aber einer überdurchschnittlichen Leistung des Prüflings, die momentan bei keinem unserer Kinder gegeben ist. Auch wenn wir alle unsere Kinder lieben und von deren Leistungen überzeugt sind und dabei sicherlich manchmal auch etwas blind werden, dürfen nicht Dinge versprochen werden, die nicht im Einflussbereich der Eltern liegen.

 

„Do“ beschreibt den Weg zur Meisterung der Kunst, den langen Weg, der die Vervollkommnung des Charakters und der technischen Fertigkeiten nicht nur das Ziel einer perfekten Beherrschung der Disziplin bringen soll, sondern nunmehr auch durch die permanente Arbeit an den Psychischen und physischen Voraussetzungen; an der Persönlichkeit des Übenden. Die kontinuierliche Arbeit an sich selbst ist der Weg und nicht der Blick auf ein Endziel... ( Quelle: Joachim Grupp – Meyer& Meyer Verlag ).
 
Mit besinnlichen Grüßen

 

Euer Sensei Michael

Zurück

Einen Kommentar schreiben